Montag, 22. Juni 2026

Ein heißer Tag, ein kühler Kopf – und ein kontroverses Thema

 Wenn wir in Deutschland gewesen wären, hätten wir vermutlich Hitzefrei ausgerufen und die Sitzung kurzerhand abgesagt. Aber wir sind Briten – und mit dem berühmten stiff upper lip haben wir tapfer weitergemacht.

Einige Mitglieder fehlten heute, doch umso mehr freuten wir uns, Gloria nach ihren Reisen durch das Sauerland und nach Malta wieder bei uns zu haben.



Der Rest der Sitzung wurde von einem einzigen Thema dominiert: den Promillegrenzen im Straßenverkehr. Wir diskutierten leidenschaftlich darüber, ob wir an unserer britischen 0,8‑Promille‑Regel festhalten sollten oder ob eine Anpassung an die in der EU üblichen 0,5 – oder sogar 0,0 – sinnvoll wäre. Immerhin haben mehrere europäische Länder bereits eine Null‑Promille‑Politik.

Am Ende zeigte sich jedoch deutlich, dass die Einschränkung persönlicher Freiheit für viele von uns eine Grenze darstellt, die wir nur schwer akzeptieren können. Ein persönlicher Fragebogen machte außerdem deutlich, wie komplex und individuell dieses Thema ist – und wie schwierig es ist, eine Regelung zu finden, die sowohl praktikabel als auch gerecht erscheint.

Der Austausch war intensiv, manchmal kontrovers, aber immer respektvoll – genau so, wie wir es in unserer Gruppe schätzen.


Montag, 8. Juni 2026

Regen draußen, Ideen drinnen

Der Regen prasselte gegen die Fensterscheiben, dass man eher mit einer abgesagten Sitzung gerechnet hätte. Umso größer war meine Freude, als tatsächlich zehn unerschrockene Teilnehmer auftauchten.  Offenbar lässt sich eine gute Diskussion nicht so leicht ins Wasser fallen.

Im Mittelpunkt unseres Treffens stand zunächst ein Thema, das aktueller kaum sein könnte: der Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Diagnose von Gesundheitsproblemen.

Wir beleuchteten die Vorteile – etwa schnellere Auswertung großer Datenmengen, präzisere Mustererkennung und die Möglichkeit, Ärztinnen und Ärzte zu entlasten. Gleichzeitig diskutierten wir kritisch die Schattenseiten: algorithmische Verzerrungen, Datenschutzfragen und die Gefahr, dass Menschen sich zu sehr auf maschinelle Urteile verlassen.

Wie so oft führte uns das Thema weiter, als ursprünglich geplant. Bald sprachen wir über die Allgegenwart der KI, von Chatbots über Übersetzungstools bis hin zu autonomen Systemen. Die Stimmung schwankte zwischen Faszination und Skepsis – eine produktive Mischung.

Nach dem technischen Teil wurde es sprachlich anspruchsvoll. Wir nahmen uns eine Liste englischer Adjektive vor, die man nicht jeden Tag hört – Wörter wie „pithy“ oder „disgruntled“.

Gemeinsam suchten wir nach ihren deutschen Entsprechungen und stellten fest, wie unterschiedlich Nuancen sein können. „Pithy“ ist eben nicht einfach „prägnant“, sondern trägt eine gewisse Schärfe in sich. Und „disgruntled“ ist mehr als nur „verärgert“ – es hat etwas latent Grollendes.

Solche Wörter sind kleine Schätze, die man nicht oft findet, aber umso lieber benutzt.

Für einen besonders charmanten Moment sorgte Harry, der auf M
ei-Lings auffälligen Ring aufmerksam wurde. Das funkelnde Grün inspirierte uns zu einer spontanen etymologischen Exkursion: Woher kommt eigentlich das Wort emerald?

Nero princeps gladiatorum pugnas spectasse traditur smaragdo.
 Kaiser Nero soll die Gladiatorenkämpfe durch einen Smaragd betrachtet haben.
Plinius der Ältere - Naturalis Historia 37,64

Wir verfolgten die Spur zurück über das Altfranzösische esmeraude und das Lateinische smaragdus bis hin zum Griechischen smaragdos. Ein Wort, das über Jahrhunderte gewandert ist – genau wie die Menschen, die es benutzten.