Montag, 24. August 2026

Reparieren oder loslassen ?

 Heute ging es in unserer Konversationsgruppe um zwei sehr unterschiedliche Themen – und doch hatten beide etwas gemeinsam: den Umgang mit Dingen, die alt werden, sei es ein Kühlschrankgriff oder ein Lebensabschnitt.  

Seit dem 31. Juli 2026 gilt in der EU das neue Recht auf Reparatur. Die Idee dahinter ist einfach: Reparieren soll attraktiver werden als Wegwerfen. Die EU will damit Elektroschrott reduzieren, Ressourcen sparen und Verbraucher stärken.  


In der EU fallen jährlich über 35 Millionen Tonnen Elektroschrott an. Viele Geräte werden entsorgt, obwohl sie reparierbar wären. Das neue Gesetz soll genau diese Wegwerfmentalität durchbrechen.

Peter erzählte, dass er den Griff seines Kühlschranks selbst reparierthat – mit einem Ersatzteil, das er auf dem Müllplatz gefunden hat. Ein Paradebeispiel dafür, was das Gesetz fördern möchte:  

In der zweiten Hälfte der Sitzung lasen wir Hermann Hesses Gedicht Stufen.  

Es ist ein Klassiker – meditativ, ruhig, fast mantraartig. Und doch hatten wir einige Schwierigkeiten damit. Manche empfanden seine Haltung als etwas moralisch belehrend:   Die Idee, dass jede Lebensphase „notwendig“ sei und man sie „ohne Trauern“ verlassen solle, wirkte für einige zu harmonisch, fast weltfremd.  Hesses Andeutungen über eine Art Weiterexistenz oder spirituelle Fortsetzung stießen auf Skepsis.  

Trotz Kritik: Stufen bleibt ein Text, der viele Menschen berührt – vielleicht gerade, weil er eine optimistische Perspektive auf Veränderung anbietet.  

Und irgendwie passte das Thema zur Reparaturdebatte:  Auch Dinge – und Lebensphasen – müssen nicht sofort weggeworfen werden. Manchmal lohnt sich das Reparieren, manchmal das Loslassen.


Montag, 10. August 2026

Leitpfosten und andere deutsche Abenteure

Heute war in unserer deutschen Gesprächsgruppe wieder ordentlich was los. Wir sind einmal quer durch die deutsche Nachrichtenlage gereist – und zwischendurch sogar bei den Leitpfosten gelandet. Aber der Reihe nach.

Los ging’s mit dem Niedrigwasser im Rhein. Die Pegel sinken, die Schiffe schleichen nur noch mit halber Ladung durch, und die Industrie stöhnt. Für uns war das vor allem ein Anlass, über die Abhängigkeit vom Rhein als Transportweg zu reden – und darüber, wie schnell so ein Fluss zum nationalen Problem werden kann.

Danach wurde es dramatischer: der Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle. Die Diskussion war lebhaft, denn das Thema berührt alles – Sicherheit, Infrastruktur, und die Frage, wie verwundbar moderne Staaten eigentlich sind. Ein paar von uns fanden die Vorstellung ziemlich unheimlich.

Dann ging’s weiter mit einem Klassiker: Wehrdienst und Zivildienst. Die Bundesregierung überlegt ja, wie ein modernes Pflichtmodell aussehen könnte. Wir haben darüber gesprochen, ob das sinnvoll wäre, wie junge Leute darauf reagieren würden und warum das Thema in Deutschland immer sofort Emotionen weckt.

Und natürlich durfte die Rentenreform nicht fehlen – besonders die Kritik aus Ostdeutschland. Viele finden die geplanten Änderungen unfair, weil ostdeutsche Erwerbsbiografien oft anders verlaufen. Die Gruppe war sich einig: Das Thema wird Deutschland noch lange beschäftigen.



Zwischendurch brachte Peter das Thema Leitpfosten ins Spiel – diese weißen Pfosten mit Reflektoren an deutschen Landstraßen. Das führte überraschend zu einer kleinen Exkursion in die Welt der deutschen Fahrprüfungen, inklusive Anekdoten über strenge Prüfer und Abgeknickte Vorfahrtsschilder.

Mittendrin hatten wir noch einen kurzen Besuch: Robert, ein neuer Interessent, schaute vorbei. Er war allerdings noch ganz am Anfang seiner Deutschreise und merkte schnell, dass unsere Runde für ihn (noch!) etwas zu schnell ist. Trotzdem nett, dass er vorbeigeschaut hat.

Alles in allem: eine bunte Mischung aus Politik, Infrastruktur, Verkehrserziehung und menschlichen Momenten – genau das, was unsere Gruppe ausmacht.